Warum mir Klopapier am Arsch vorbei geht – und zwar sehr weit!

Das gute alte Klopapier ist gar nicht so alt

 

Erst seit gut 90 Jahren gibt es in Deutschland die Papierrolle für den Po. Diese war allerdings nicht vergleichbar mit dem, was wir heute darunter verstehen. Erst seit rund 50 Jahren wird an der Weichheit und Reißfestigkeit gefeilt, doch auch zu dieser Zeit war das Toilettenpapier noch nicht flächendeckend in Deutschland angekommen.

 

Heute verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich mindestens 15 Kilo Toilettenpapier im Jahr (manche gehen sogar von 18 Kilo pro Person und Jahr aus). Ganze 184 Tagen verbringt der Europäer im Laufe seines Lebens auf dem stillen Örtchen und bei jedem Besuch dort werden im Schnitt 9 Blätter toter Baum über den Allerwertesten gezogen, um dann direkt in der Kanalisation zu landen. Die Bäume sterben also, um als Toilettenpapier direkt nochmal zu sterben – und zwar 270.000 Bäume jeden Tag!

 

Zur Abholzung hat mich die Werbung eines Toilettenpapier-Herstellers besonders beeindruckt, aber leider im negativen Sinn: Es wird mit Nachhaltigkeit und gewissenhafter Ressourcennutzung geworben. Ganz groß steht da auf der Website, dass sich für Wiederaufforstung engagiert wird. Erst bei näherem Hinsehen wird klar, dass das Holz zwar aus legalen, aber eben nicht aus nachhaltigen Quellen stammt. Ein „Engagement“ für nachhaltige Forstwirtschaft kann schon aus einer 1€-Spende bestehen, das wird nicht näher definiert. Aber tatsächlich wird beim Kunden, der die Werbung nur überfliegt, ganz bewusst der Anschein erweckt, alles wäre glitzer-grün und der Konzern wäre nicht an der Abholzung von Regenwäldern (die ja leider auch oft legal ist) beteiligt. So blendet man, um viel Geld zu verdienen – nicht aus ehrlichem Engagement heraus!

 

 

Gesundheitsschädliche Stoffe in Toilettenpapier

 

Wer Lust und eine hohe Ekel-Grenze hat, kann sich gerne mal die Inhaltsstoffe auf der Verpackung seines aktuellen Toilettenpapiers ansehen. Es ist allgemein bekannt, dass wir durch Schleimhäute besonders schnell Stoffe aufnehmen – also auch beim Abputzen nach dem kleinen oder großen Geschäft.

 

Wen das noch immer nicht abschreckt, der soll doch mal überlegen, ob er sich ein Stück frisches und noch unbenutztes Stück Toilettenpapier mit all diesen Inhaltsstoffen kurz an die Zunge halten würde – der Effekt auf unseren Körper ist der Gleiche, nur am anderen Ende. Aber aus irgendeinem Grund nehmen wir unser hinteres Ende nicht so wichtig oder haben das Gefühl, da würden wir nur „abgeben“ und nichts „aufnehmen“.

 

Es stellen immer mehr Menschen fest, dass Klopapier scheiße ist – und zwar schon vor der Benutzung. Ganz abgesehen von den Inhaltsstoffen ist es auch rein physisch gar nicht zur Hygiene geeignet. Es saugt zwar etwas auf und ist auch mehr oder weniger weich. Aber auch hier könnt ihr ganz leicht den Vergleich wagen: Schmiert euch doch mal Vanilleeis an den Mund und wischt einfach mal mit Toilettenpapier darüber. Aber nicht, bis alles weg ist, sondern so, wie ihr euch auch auf der Toilette abputzt. Selbst wenn das Papier irgendwann nach X Mal Wischen keine Spuren mehr zeigt – ist euer Mund wirklich sauber? Kein Rest Eis mehr irgendwo? Ja, wenn man so darüber nachdenkt ist es ekelhaft.

 

Mittlerweile steht fest, dass die Inhaltsstoffe von Toilettenpapier, die bei der Herstellung zwangsläufig entstehen, krebserregend sind, das Risiko für Hämorrhoiden und Fissuren stark erhöhen und Geschwüre auslösen können.

 

Deshalb solltet ihr ganz dringend euren Toilettenpapier-Konsum beenden!

 

 

Gesündere, günstigere und nachhaltigere Alternativen

 

Diese Überschrift ist nicht als Aufzählung gedacht. Ich will euch nicht zeigen, welche gesünderen ODER günstigeren ODER nachhaltigeren Alternativen es gibt. Vielmehr zeige ich euch, wie es gesünder UND günstiger UND nachhaltiger geht. Es gibt die 3-in-1-Lösung für uns alle, sie ist nur noch nicht bekannt genug. Da ich aber gerne das Leben von möglichst vielen Menschen verbessern möchte, teile ich mein Wissen und meine Erfahrung hier mit euch.

 

Ich lebe seit 5 Monaten ohne Toilettenpapier. Das ist noch nicht besonders lang, aber eine unglaubliche Verbesserung meiner Lebensqualität und ich ärgere mich, dass ich nicht früher den Mut dazu hatte. Aber irgendwie ist das mit den Gewohnheiten ja oft so eine Sache und ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie viel besser sich das anfühlt. Besonders viel findet man im Internet noch nicht dazu und irgendwie wollen auch nicht so viele über ihre Örtchen-Gewohnheiten sprechen. Weil ich aber absolut davon überzeugt bin, dass dieses Wissen vielen Menschen dabei helfen wird, gesünder, günstiger und nachhaltiger zu leben hier mein Erfahrungsbericht direkt aus dem Nähkästchen…

 

 

Meine Klopapier-Geschichte

 

Nach meinem Pampers-Zeitalter vor vielen Jahren, habe ich gelernt die Toilette und das scheinbar heute dazugehörige Toilettenpapier zu nutzen – und zwar immer schön von vorne nach hinten wischen! Viele Jahre nimmt man eben, was man so vorgesetzt bekommt. Irgendwann fragt man mal nach, ob nicht dickeres und weicheres Papier im Familienbudget drin ist, feuchtes Toilettenpapier wäre natürlich besonders gut – bis man dann plötzlich in den eigenen vier Wänden wohnt und das nicht ganz so dicke und weiche Papier es auch wieder tut.

 

Natürlich hat man gerade bei der Umstellung auf die weniger luxuriöse Variante dann auch einen Magen-Darm-Infekt und schon nach dem ersten Nachmittag Dauernutzung versucht man so lange wie möglich einzuhalten, um den frisch angerauten Pavian-Po nicht noch mehr zu reizen. Noch Tage nach dem Infekt fürchtet man, man müsste wieder „Groß“, denn die heimlich gekaufte und gerade zum x-ten Mal aufgetragene Baby-Creme soll doch wenigstens ein bisschen einziehen. Bis zum nächsten Infekt gab es hoffentlich eine Gehaltserhöhung und dann ist definitiv besseres Po-Pa-Pier im Budget.

 

So geht es die nächsten Jahre weiter und irgendwie gibt es einfach immer wieder Momente, in denen selbst das teuerste Papier zu hart und rau ist. Wenn man dann aus Verzweiflung zum feuchten Toiletten-Papier greift, brennt der Allerwerteste bereits.

 

Irgendwann habe ich mal davon gehört, dass es Menschen gibt, die Stofftücher verwenden. Ekelhaft! Gedanklich habe ich diese Idee als übertriebenes Öko-Getue gleich ad acta gelegt. Doch mit der Zeit musste ich immer wieder an diese Stoff-Wischer denken, die angeblich nie einen wunden Allerwertesten haben.

 

Zum Glück gibt es ja Suchmaschinen, die man fragen kann, ohne gleich peinliche Fragen gestellt zu bekommen. Ich begab mich auf die Suche nach Erfahrungen anderer Pos, neuen oder alten Wischtechniken und verschiedensten Materialien.

 

Ein Artikel ist mir dabei besonders im Kopf geblieben. Es ging darin um Stuhlgang als eine Art Krankheits-Barometer. Logisch, wenn ich Durchfall habe, schmiert alles und ich bin nicht gesund. Witzigerweise achten wir ja alle bei unseren Hunden darauf: Die Qualität des Futters und die Gesundheit zeigen sich in einem kleinen und (nicht allzu) festen Würstchen. Dass das beim Menschen ganz ähnlich ist, ist eigentlich klar – aber wer denkt schon über so etwas nach?

 

Ein weiterer Punkt, der mich ironischerweise immer beim herkömmlichen Toilettenpapier hat kleben lassen, ist die Hygiene. Wie der Aberglaube entstand, dass das hygienisch ist, kann ich mir mittlerweile beim besten Willen nicht mehr erklären. Tatsächlich ist es so, dass Toilettenpapier in einem begrenzten Maß aufsaugt, das meiste aber verschmiert. Also schmiert man sich eben so lange toten Baum über den Po, bis man optisch nichts mehr feststellen kann. Aber dass haben wir ja schon mit dem Vanilleeis-Test geklärt – nur weil man etwas nicht mehr sieht, ist es ja nicht unbedingt weg 😉

 

Innerlich habe ich irgendwann wohl eingesehen, dass der Gebrauch von Toilettenpapier zwar der Norm hier entspricht, aber deswegen noch lange nicht gut ist. Ungesunde Ernährung ist ja auch normal, aber nicht gut. Nur kann man leichter über das reden, was oben reingeschmissen wird, als über den Output am anderen Ende.

 

Mein erster Schritt in die richtige Richtung war ein Dusch-WC. Ich hatte es mal getestet und war begeistert! Und da wir sowieso gerade am Hausbau waren, wollte ich es gleich richtig machen. Wer aber nicht gleich sein ganzes Klo ersetzen will, der kann auch auf einen Dusch-Aufsatz oder vielleicht ein Bidet zurückgreifen. Selbst für Unterwegs gibt es mittlerweile die Po-Dusche-to-go und man findet auch Bastelanleitungen fürs kleine Budget. Ein Dusch-WC (oder eben seine Alternativen) ist unvergleichbar sanft und sauber. Der Po wird einfach mit einem Wasserstrahl geduscht und mit dem Wasser geht alles weg, was da nicht hingehört. Danach ist man wie Teil-geduscht und fühlt sich auch dementsprechend frisch. Zwar kann man sich dann auch noch den Boppes föhnen lassen, aber so viel Zeit habe ich auch nicht.

 

Daher habe ich noch lange gewöhnliches Toilettenpapier genutzt. Veränderungen sind ja immer schwer. Dann habe ich einen Artikel gelesen, in dem eine Ärztin vor Stofflappen als Ersatz für Toilettenpapier gewarnt hat. Hygienisch sei das gefährlich, schließlich können ja auch nach einer Po-Dusche noch vereinzelt „Reste“ kleben bleiben und man müsse die verwendeten Lappen sehr aufwändig reinigen. Als ich das gelesen habe, habe ich mich gefragt, ob man auch das Handtuch nach dem Duschen so behandeln müsste und überhaupt: Was ist mit Unterhosen??? Ob man das wahr haben will oder nicht, hier und da landet da ein Tropfen oder Gas-Ausstoß drin und die wäscht man ja auch „normal“ mit der Waschmaschine. Es gibt sogar eine Menge Unterhosen, die nur auf 30 oder 40 Grad gewaschen werden dürfen. Vor diesem Risiko hat mich auch noch niemand gewarnt. Sollte ich jetzt etwa auf Einweg-Unterhosen umsteigen?

 

So ein Nonsens. Aber damit waren meine Vorurteile endlich dahin. Ich habe mir Stofflappen genäht. Und weiter recherchiert. Und irgendwie erst noch die eine oder andere Rolle Klopapier aufgebraucht. Aber irgendwann kam der Tag, an dem ich meinen Po nach dem kleinen Geschäft und der zu diesem ersten Öko-Geschäft sehr ausgiebigen Po-Dusche mit einem Stofflappen getrocknet habe. Mit zusammengebissenen Zähnen habe ich dieses Stück Stoff dorthin geführt, wo sonst zu diesem Zweck nur toter Baum hinkam. Und seit diesem Tag bin ich „geheilt“.

 

Der Lappen saugt deutlich besser auf als ein paar Lagen geraspeltes Holz und ist dabei weich. So weich, das kann man kaum fassen. Anschließend fühlt man sich sauber. Aber so richtig. Wie eben nach dem Duschen. Der Lappen kommt in die Wäsche, man drückt die Spar-Spülung an der Toilette und irgendwie ist man dann ganz schön stolz. Früher hatte ich übrigens das Problem, dass die Spar-Spülung auch beim Pipi nicht ausgereicht hat, das Papier schwamm erst bei längerem Spülen davon. Das hat sich jetzt auch gelöst, ohne toten Baum genügt kurzes Spülen vollkommen und ich spare auch noch Wasser – und zwar deutlich mehr, als ich jetzt für das Mehr an Wäsche verbrauche, denn die Lappen sind ja wirklich platzsparend.

 

Nachdem ich ein paar Tage lang die Stofflappen für das kleine Geschäft genutzt habe und damit unglaublich glücklich war, wurde ich beim großen Geschäft immer unglücklicher. Denn dafür doch den toten Baum zu benutzen war plötzlich recht unangenehm. Sauber wurde ich ja egal wie durch das Wasser und mein Allerwertester hinterließ sowieso keine „Unterschrift“ auf dem Papier. Trotzdem brauchte ich einige Tage, bis ich auch hier endlich die Stofflappen benutzte. Nach meinem ersten Mal wollte ich nie wieder zurück zum Raufaser-Abrieb – mit weichem Stoff kommt kein noch so teures Papier mit.

 

In der Zwischenzeit hatte ich übrigens auch einen Magen-Darm-Infekt. Und zum ersten Mal hatte ich keinen Pavian-Po und konnte – im Rahmen des Infekts – ganz entspannt sein, wenn es wieder drückte 😉

 

Nach fast einem halben Jahr habe ich also schon mindestens 7,5 KG Toilettenpapier, eine Menge Strom, Wasser und Chemie für dessen Herstellung und runde 20€ gespart und außerdem ein paar Menschen damit anstecken können. Diese Menschen haben wieder ein paar andere Menschen angesteckt und so haben wir schon den einen oder anderen Baum gerettet. Das rettet nicht die ganze Welt, wohl aber die Welt dieser Bäume und ihrer Bewohner.

 

 

Checkliste für den papierfreien Klobesuch

 

1.      Po-Dusche für die gründliche Reinigung

a.      Luxusvariante*

b.      Dusch-Aufsatz*

c.      Bidet*

d.      oder Hand-Gerät*

 

2.      Stofflappen fürs Abtrocknen

a.      Baby-Lappen* (perfekte Größe!)

b.      Nähmaschine* und Stoff(-reste)

 

3.      Überwindung für dich und die Umwelt

 

Glaub mir, es lohnt sich und du wirst dich großartig fühlen!

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