Du hast immer eine Wahl

Diese vielen Kleinigkeiten

 

Die letzten Tage waren so anstrengend, dass du verschläfst. Du hasst es. Also ganz schnell anziehen, aber was? Du schaust in deinen Kleiderschrank und bekommst die Krise. Die Hälfte passt nicht, vom Rest ist ein Großteil nicht was du eigentlich willst und am Ende landest du doch wieder bei Jeans und Bluse. Nie hat dieser tote Kasten voller Stoff-Sammlungen zu bieten, was man will.

 

Dann schnell ins Bad. Verdammt! Vergessen, dass die Zahnpasta leer ist. Die Ersatztube ist irgendwo hinter 100 anderen Tiegeln, Dosen und Schächtelchen und bei dem Versuch, einfach schnell die neue Zahnpasta zu greifen, schmeißt du die Hälfte um und eine Creme fällt dir noch fast runter. Irgendwann musst du hier auch mal ausmisten und eigentlich ist dieser Schrank auch mega unpraktisch – aber er war so schön im Laden.

 

Auf dem Weg zur Arbeit musst du letztendlich auch noch tanken, sodass deine Verspätung nicht mehr zu vermeiden ist. Hättest du doch nur am Freitag getankt - aber da wolltest du nur noch nach Hause und auf die Couch.

 

Für das Meeting hast du natürlich alles vorbereitet. Auf der Arbeit lässt du nichts anbrennen. Deine Kollegen haben da mehr "innere Ruhe". Einerseits beneidest du sie um ihre LMAA-Einstellung, sie sind viel gelassener und regen sich einfach nicht so auf. Andererseits blockiert auch dich diese Einstellung der anderen. Pünktlich zum Meeting bist nur du. Vorbereitet hat sich auch kaum jemand anderes, sodass eigentlich gar keine Entscheidung gefällt wird, sondern unter Vorwänden, wie viel jeder auf dem Schreibtisch hat, alles vertagt wird. Vielleicht hättest du dich auch weniger stressen sollen? Dann wärst du nicht zu erledigt gewesen und hättest vielleicht Zuhause etwas mehr Energie gehabt für all die Dinge, die du schon so lange erledigen willst.

 

Noch auf dem Heimweg ärgerst du dich, weil das Meeting ohne irgendein Ergebnis reine Zeitverschwendung war. Du fragst dich, ob du dich zu sehr reinhängst, zu viel willst. Aber du willst ja auch im Job vorankommen. Du nimmst dir ganz fest vor, dass du diesen Punkt im nächsten Mitarbeitergespräch klären willst. Denn wenn immer alles verschoben wird und sich niemand außer dir an Absprachen hält, bremst es ja schließlich den Erfolg der Firma! Wenn du also noch härter daran arbeitest, dann wird dir das sicher die nächste Beförderung oder zumindest eine finanzielle Anerkennung bescheren.

 

Endlich Zuhause kochst du nur schnell Spaghetti, es muss wieder einmal schnell gehen. Du würdest dich ja gerne gesünder ernähren, aber als du das Sieb aus dem Schrank holen willst, musst du erst 5 andere Utensilien zur Seite räumen, sonst endet es wie das Chaos wegen der Zahnpasta heute Morgen. Immerhin brauchst du keine Tupperschüssel, die Schublade ist ja noch viel schlimmer.

 

Frustriert sitzt du am Ende mit deinen Spaghetti am Esstisch und liest noch eine Fachzeitschrift, um auf dem Laufenden zu sein. Als du deinen Teller anschließend wegräumst, stolperst du über die 8 letzten Zeitschriften. Da dir noch nicht eingefallen ist, wo du sie am besten aufbewahrst, hattest du sie auf die Schnelle erstmal dort gestapelt - daran hat dich dein kleiner Zeh jetzt erinnert.

 

Dann liegst du abends im Bett und fragst dich, warum dein Leben so unglaublich chaotisch und stressig ist. Wenn du jetzt wüsstest, dass dein Engagement beim Mitarbeitergespräch von Chef als "für die Kollegen eher lästig" dargestellt wird und jemand anderes mit einer großen Klappe ohne viel Hintergrund die Beförderung bekommt, würdest du wahrscheinlich komplett ausflippen. Aber diesen Happen serviert dir das Schicksal erst nächste Woche, wenn du dir gerade einreden willst, dass diese Woche einfach besser werden muss.

 

 

Ach ja?

Du erkennst dich in dem einen oder anderen Moment wieder? Aber so schlimm ist das alles ja sicherlich gar nicht. Wahrscheinlich ist es eine schlechte Phase, bevor deine Mühen endlich belohnt werden. So eine Phase kann schon mal ein paar Jahre dauern. Der Chef wird schon deinen Einsatz erkennen – erst recht, wenn der Kollege sich wieder wegen Unzuverlässigkeit blamiert.

 

Und wenn das im Job endlich läuft, wie du es dir vorstellst und du die Belohnung bekommst, die du ja schon lange verdient hast, dann hast du sicherlich auch genug Energie um bei dir mal kräftig auszumisten und zu sortieren.

 

Dann wirst du deinen überquellenden Schubladen und Schränken den Gar aus machen, endlich wieder alles auf Anhieb finden und mit einem Griff erreichen. Dann wirst du nicht mehr über Zeitungsstapel fallen, sondern alles ist an seinem Platz. Dann wird das Aufräumen und Saubermachen viel schneller gehen und wahrscheinlich sogar Spaß machen. Dann steht nämlich nichts mehr im Weg oder wird nur von hier nach da geschoben. Dann hast du bestimmt auch Zeit zum Shoppen und kannst deinem Kleiderschrank neues Leben einhauchen. Dann wird alles besser. DANN.

 

 

Vergiss es!

Dein Leben wird sich nicht ändern. Es wird so weitergehen. Das Chaos wird bleiben. Deine Leistung wird nicht anerkannt, denn den meisten Kollegen bist du einfach zu unbequem. Für deine Schubladen und Schränke nimmst du dir auch im Urlaub keine Zeit, denn du brauchst wirklich dringend Erholung. Du wirst weiterhin genervt und ausgebrannt sein, wahrscheinlich wird es sogar noch schlimmer. Und mit der Laune willst du auch keine Klamotten kaufen. Deine Nerven liegen blank und deine Energie ist aufgebraucht. Aber alles um dich herum wird so bleiben.

 

 

Notausgang

Es gibt einen einzigen Menschen, der dir helfen kann. Du selbst.

 

Du musst erkennen, was sich in deinem täglichen Chaos nicht ändern lässt. Das musst du loslassen und dich mit Pauken und Trompeten davon verabschieden. Denn du kannst dich selbst ändern und einiges in deinem Umfeld, aber du kannst nicht alle(s) andere(n) ändern. Es gibt Dinge, die sind eben so. Das sollte man nicht einfach so hinnehmen, sondern sich davon trennen, um sich selbst zu retten. Dazu gehören ignorante Chefs genauso wie unpraktische Schränke oder 50 Tiegel, die du eigentlich nicht nutzt, die aber alle samt im Weg stehen. Alles, was im Weg steht, muss weg. Denn es behindert dich. Das sind Steine auf deinem Weg und Ballast für dich. Es nährt sich an deiner Energie und raubt dir deine Kraft und dein Selbstbewusstsein. Dinge, die man nicht ändern kann, müssen einfach weg (auch wenn es nicht immer einfach ist)!

 

Den anderen Teil aus deinem Chaos, der sich ändern lässt, musst du jetzt angehen. Du hast dich an so viel Chaos gewöhnt, dass dir manches davon gar nicht mehr schlimm vorkommt oder als müsstest du es unbedingt ändern. Aber auch das blockiert dich und hält dich von einem besseren Leben ab. Es verhindert die guten Tage und schiebt sich wie Wolken vor deine persönlichen Sonnenmomente. Das darfst du nicht akzeptieren. Wenn doch, warum hast du bis hierhin gelesen? Sei ehrlich zu dir selbst. Es nervt dich, wenn auch nicht so dramatisch, aber andauernd unterschwellig. Aber es soll und darf dich nicht nerven. Denn es ist dein Leben. Dein einziges Leben. Und jede Sekunde davon sollte gut sein, denn sie ist nur ein einziges Mal.

 

Der Weg aus dem Chaos ist nicht leicht, aber es geht auch gar nicht darum, dass einem alles in den Schoß fällt. Ohne Fleiß kein Preis. No risk no fun. Wer nicht wagt, gewinnt auch nicht. Wenn du den Weg gehst, wirst du Schritt für Schritt stolz auf dich sein. Wenn nicht, wirst du immer unzufrieden sein und dich fragen, wie es anders gelaufen wäre.

 

Wenn du glaubst, dass du dein Leben sowieso nicht ändern kannst und das alles eben so blöd ist, wie es ist, dann mein Beileid. Dann wird es immer so bleiben. Und selbst wenn du im Lotto gewinnst wirst du einen Grund zum Jammern finden.

 

Aber wenn du nur eine winzige Möglichkeit siehst, dass du in deinem eigenen Leben etwas zum Besseren wenden kannst, dann nutze diese Chance! Im schlimmsten Fall wird es einfach nicht besser und bleibt so wie es ist. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn wenn du einmal einen Schritt getan hast, dann stehst du schon gar nicht mehr auf der chaotischen Stelle vom Anfang. Es kommt Bewegung ins Spiel und du wirst erkennen, dass alles möglich ist!

 

 

Hilf dir sofort selbst:

1.     Schreib alles auf, was dich nervt (auch wenn es nur ein winziges bisschen nervt).

2.     Unterteile deine Liste in „1. Kann ich nicht ändern“ und „2. Kann ich ändern“.

3.     Aus Kategorie 1 solltest du noch diese Woche einen Punkt erledigen und dich davon trennen – und wenn es nur eine Dose ist, die schon immer geklemmt hat!

4.     Aus Kategorie 2 solltest du ebenfalls einen Punkt diese Woche angehen, egal wie klein oder groß. Du kannst eine Schublade ausmisten oder gleich den ganzen Keller – aber fang mit etwas an!

 

5.     Schreib mir, was du geschafft hast und wie du dich danach fühlst!

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Kommentare: 1
  • #1

    Babs (Donnerstag, 17 Januar 2019 13:26)

    Oh jaaaaa! Du sprichst mir aus der Seele :) Deine Idee mit der Liste finde ich absolut klasse! Mein Horror Keller macht wirklich Fortschritte und die vielen Fotos auf meinem Mobilephone sind auch dran!!!! Ich freue mich auf Freitag und ein Wiedersehen mit dir und allen deinen Lieben!