Stadt-Land-Überfluss

 

Warum leben wir so? Es gibt in der heutigen Zeit so viele Extreme und dafür muss man nicht mal um die Weltkugel reisen. 30 km reichen und von einer Stadt mit absoluter Wohnungsnot und überteuerten Mieten in ein Dorf zu fahren, das halb leer steht.

  

Unsere Nachbarn leben seit 40 Jahren alleine in ihrem Haus mit 2 x 90 Quadratmeter. Die untere Etage wird zweimal im Jahr genutzt, nämlich dann wenn die beiden Geburtstag haben. Dann wird das gute Geschirr nach unten getragen, sämtliche Töpfe und Kuchen, alles einmal sauber gemacht und am nächsten Tag wieder nach oben geschleppt, wo man genauso gut hätte feiern können.

  

Aber die untere Etage vermieten? Kommt nicht in Frage! Die wird ja gebraucht! Während die Menschen in der Stadt froh sind, wenn sie überhaupt eine Wohnung bekommen und auch gar nicht mehr lange darüber nachdenken, was ihre eigentlichen Kriterien für eine Wohnung waren, weiß man auf dem Dorf nicht wohin mit dem Platz. Trotzdem wird darüber gejammert, wie lange man braucht um das Haus abzubezahlen, dass ja so viel leer steht und wie schlimm diese ganze Situation in den Städten ist. 

 

Eine Kollegin von mir meinte neulich, dass sie niemals so weit ab vom Schuss leben wollen würde. Dann haben wir verglichen wie lange wir zur Arbeit brauchen. Sie lebt Luftlinie nur 10 km entfernt von der Firma, braucht aber über eine halbe Stunde, wenn sie zur Rush-Hour fährt sogar länger. Ein Hoch auf flexible Arbeitszeiten! Ich wohne Luftlinie 17 km und brauche keine 25 Minuten. Wie gut, dass ich auf dem Land lebe! Zum nächsten Supermarkt braucht sie nur 10 Minuten, ich kontere mit 5 Minuten. Ein Auto brauchen wir sowieso beide.

  

Je näher man an den Städten wohnt, desto teurer sind die Mieten. Trotzdem braucht man ja ein Auto zum Einkaufen oder eben um auf die Arbeit zu kommen. Selbst in der Stadt haben zwei Drittel der Menschen ein Auto auf dem Land sind es gerade mal 14% mehr, die haben aber dafür nur die Hälfte der Mietkosten.

  

Dass das Land weniger zu bieten hat ist auch nur ein Aberglaube. Denn auch in der Stadt braucht man ja doch immer irgendeine Fahrgelegenheit. Auf dem Dorf gibt es da ein besseres Miteinander. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet und man wechselt sich ab. Die Stadt ist anonymer, besser um sich zu verstecken, sein eigenes Ding zu machen und weniger Gemeinschaft zu haben.

  

Dabei versucht doch jeder irgendwo eine Gemeinschaft zu finden und Anschluss zu bekommen. Man geht in den Gesangverein, den Angelverein, zum Kampftanz-Hüpfen oder wohin auch immer, um irgendwo dazu zu gehören. Da findet man Freunde, mit denen man mal ein Bier trinken kann oder einen Abend feiert. Aber sind das denn wirklich Freunde? Sind die für einen da, wenn es brennt? Aus meiner Sicht sind das nur Bekanntschaften und am Ende sitzt man wieder alleine da und fragt sich, was im Leben eigentlich zählt.

 

Für mich ist ganz klar: Auf dem Land ist es preislich und zeitlich günstiger, außerdem sowieso viel schöner!

 

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